Bei Kindern hört sich jedes Wegschauen auf
- Bernhard Höfler

- vor 4 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Der aktuelle Bericht der Volksanwaltschaft erschüttert mich. Denn er zeigt sehr deutlich, dass es in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe noch immer ernsthafte Mängel gibt. Und dabei geht es nicht um irgendeinen Verwaltungsakt, sondern um Kinder und Jugendliche, die Schutz, Stabilität und Sicherheit brauchen.
Aus meiner Sicht ist eines ganz klar: Kinder, die nicht in ihrer Familie aufwachsen können, haben oft schon mehr Belastungen erlebt, als ein junger Mensch überhaupt tragen sollte. Viele haben Vernachlässigung, Gewalt, Überforderung, schwere seelische Verletzungen oder massive Unsicherheit erfahren. Gerade diese Kinder müssen sich darauf verlassen können, dass sie an einem sicheren Ort untergebracht sind, dass sie ernst genommen werden und dass Erwachsene Verantwortung übernehmen.
Genau deshalb darf es in diesem Bereich keine halben Lösungen geben. Wenn Kinderschutzkonzepte fehlen, wenn Übergriffe nicht ordentlich aufgearbeitet werden, wenn Jugendliche mit besonderem Betreuungsbedarf nicht die passende Unterstützung bekommen oder wenn Einrichtungen durch Überbelag an ihre Grenzen kommen, dann ist das nicht einfach nur ein organisatorisches Problem. Dann ist das ein Zustand, den wir nicht akzeptieren dürfen.
Für mich steht fest: Es geht dabei um alle Kinder und Jugendlichen, die auf den Schutz des Staates angewiesen sind. Und selbstverständlich gilt das auch für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Aber der Maßstab muss immer derselbe sein: Ein Kind ist ein Kind. Wer Schutz braucht, darf nie Betreuung zweiter Klasse bekommen.
Als Nationalrat und SPÖ-Sprecher für die Volksanwaltschaft sage ich ganz klar: Der Schutz von Kindern ist keine Nebensache. Er ist keine Frage der Zuständigkeit, keine Frage des Wegschauens und auch keine Frage, ob man gerade genug Druck verspürt, um zu handeln. Kinderschutz ist eine Frage der Menschenwürde und der Verantwortung, die ein Staat gegenüber den Schwächsten hat.
Aus meiner Sicht braucht es jetzt verbindliche und bundesweit vergleichbare Standards, ausreichend Personal, funktionierende Kinderschutzkonzepte in jeder einzelnen Einrichtung, bessere Betreuungsschlüssel, mehr psychologische und psychiatrische Unterstützung sowie eine ehrliche und konsequente Kontrolle. Missstände dürfen nicht relativiert, beschönigt oder verwaltet werden. Sie müssen beseitigt werden.
Bei Kindern hört sich jedes Wegschauen auf.
Kinder brauchen nicht unser Mitleid. Kinder brauchen unseren Schutz.
Und sie brauchen Erwachsene, die dieser Verantwortung auch gerecht werden.



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