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Ohne Betriebsrat bist du allein.

  • Autorenbild: Bernhard Höfler
    Bernhard Höfler
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

In der aktuellen AK-Zeitung habe ich als FSG-Vorsitzender bereits ein klares Statement abgegeben. Aber dieses Thema ist zu wichtig für ein paar Zeilen. Deshalb hier noch einmal deutlich, ausführlich und ohne Beschönigung:


Ein Betrieb ohne Betriebsrat ist kein Zeichen von Freiheit. Ein Betrieb ohne Betriebsrat bedeutet oft, dass die Beschäftigten auf sich selbst gestellt sind. Und genau dort beginnt das Problem.


Denn wenn Überstunden nicht bezahlt werden, wenn Dienstpläne dauernd geändert werden, wenn Druck gemacht wird, wenn Menschen nach Krankheit, Karenz oder einem Arbeitsunfall nicht wissen, wie es weitergeht, dann zeigt sich, was ein Betriebsrat wirklich wert ist. Dann geht es nicht um schöne Worte. Dann geht es um Schutz. Um Rückhalt. Um Würde. Und um die ganz einfache Frage: Muss ich da allein durch oder steht jemand an meiner Seite?


Betriebsrätinnen und Betriebsräte sind genau diese Menschen. Sie sind nicht irgendwo in einer fernen Zentrale. Sie stehen mitten im Betrieb. Sie kennen den Arbeitsalltag, sie kennen die Tricks, sie kennen den Druck, sie kennen die Sorgen der Kolleginnen und Kollegen. Und vor allem: Sie schauen nicht weg.


Das ist der entscheidende Punkt.


Denn dort, wo es keinen Betriebsrat gibt, muss jede und jeder für sich selbst kämpfen. Jede und jeder muss selbst schauen, wie man gegen Ungerechtigkeit, gegen Schikanen oder gegen Willkür ankommt. Und wir wissen alle, wie hart das werden kann. Der Einzelne ist leichter unter Druck zu setzen. Der Einzelne ist leichter einzuschüchtern. Der Einzelne schweigt oft, weil die Angst um den Arbeitsplatz größer ist als die Hoffnung auf Gerechtigkeit.


Aber in der Gemeinschaft ist das anders. Gemeinsam hat man mehr Kraft. Gemeinsam hat man mehr Schutz. Gemeinsam hat man eine Stimme, die man nicht so leicht überhören kann. Genau deshalb sind Betriebsrätinnen und Betriebsräte so wichtig. Weil sie aus vielen Einzelnen eine starke Gemeinschaft machen.


Und das passt manchen natürlich nicht.


Denn wer Beschäftigte lieber still, vereinzelt und verunsichert hält, der hat kein Interesse an starken Betriebsräten. Wer will, dass jeder nur auf sich selbst schaut, der will vor allem eines: weniger Widerstand, weniger Mitsprache, weniger Schutz für die arbeitenden Menschen.


Ich sage es ganz offen: Das dürfen wir niemals zulassen.


Betriebsratsarbeit ist keine Nebensache. Sie ist keine Formalität. Sie ist kein freundliches Zusatzangebot. Sie ist gelebte Solidarität im Betrieb. Sie ist oft der letzte Schutz, bevor Menschen unter die Räder kommen. Ein guter Betriebsrat schützt nicht nur einzelne Kolleginnen und Kollegen. Er stärkt den ganzen Betrieb. Er sorgt dafür, dass nicht das Recht des Stärkeren gilt. Er sorgt dafür, dass Respekt, Fairness und Anstand nicht bloß leere Schlagworte bleiben.


Als Nationalrat ist für mich deshalb völlig klar: Wer gute Arbeit will, wer faire Löhne will, wer planbare Arbeitszeiten will, wer Sicherheit im Job will, der muss auch starke Betriebsrätinnen und Betriebsräte wollen. Alles andere ist unehrlich.


Denn Rechte auf dem Papier helfen wenig, wenn niemand da ist, der sie im Alltag verteidigt. Und genau das tun Betriebsrätinnen und Betriebsräte jeden Tag. Sie kämpfen nicht für sich selbst. Sie kämpfen für ihre Kolleginnen und Kollegen. Für jene, die sonst oft keine Stimme hätten. Für jene, die zu oft nur funktionieren sollen, aber nicht gefragt werden. Für jene, die Respekt verdienen und ihn auch einfordern müssen.


Darum brauchen wir mehr Betriebsrätinnen und Betriebsräte. Nicht weniger. Mehr Rückhalt statt mehr Angst. Mehr Zusammenhalt statt mehr Ellenbogen. Mehr Mitbestimmung statt Wegschauen.


Denn eines ist ganz einfach wahr: Wer allein ist, ist leichter zu brechen. Wer zusammensteht, ist stärker. Und genau deshalb sind Betriebsrätinnen und Betriebsräte so unverzichtbar.

 
 
 

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